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CAN/ULC-S109 Die Norm für die Flammenprüfung von Textilien und Folien, die in Gebäuden und bestimmten Außenkonstruktionen in Kanada verwendet werden, ist verbindlich. Sie wurde von ULC Standards (Underwriters Laboratories of Canada) entwickelt und wird direkt im kanadischen Baugesetzbuch referenziert. Die Norm bewertet das Flammenausbreitungsverhalten von Materialien bei Einwirkung von Flammen unterschiedlicher Intensität.
Der vollständige Titel von CAN/ULC-S109 lautet: Standardverfahren für Flammprüfungen von flammhemmenden Textilien und FolienInnerhalb des kanadischen Rechtsrahmens gilt die Norm CAN/ULC-S109 als eigenständiger Standard. Anders als amerikanische Normen dient sie als primäre Grundlage für die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen für Textilien in öffentlichen Räumen gemäß Bundes- und Provinzgesetzen. Produkte, die diese Norm nicht erfüllen, dürfen in der Regel nicht in kanadischentel, Schulen, Theatern oder Versammlungsstätten installiert werden.
CAN/ULC-S109 definiert ein zweistufiges Prüfverfahren zur Messung der Flammwidrigkeit von Textilien und Folien in vertikaler Ausrichtung. Die Norm bewertet weder Toxizität noch Rauchentwicklung, sondern konzentriert sich auf drei physikalische Kernkennwerte: Nachbrenndauer (Zeit, die das Material nach Entfernung der Zündquelle weiterbrennt), Schadenslänge (Länge der Verkohlung oder Zerstörung) und tropfendes Brennmaterial (ob geschmolzene Rückstände den Boden entzünden). Die Kernlogik besteht in der Bewertung der Brandsicherheit anhand zweier simulierter Szenarien: einer kleinen Zündquelle (z. B. einem Streichholz) und einer großen Zündquelle (z. B. einem brennenden Abfalleimer).

Die Norm gilt ausdrücklich für weiche Materialien, die vertikal ausgerichtet oder als Verkleidungen in Versammlungsstätten verwendet werden. Für Produkte, die in eine der folgenden Kategorien fallen, ist die Einhaltung von CAN/ULC-S109 in der Regel obligatorisch:
CAN/ULC-S109 verwendet kein „A/B/C“-Klassifizierungssystem wie ASTM E84, sondern basiert auf einem strikten „Bestanden/Nicht bestanden“-Modell. Die Norm umfasst zwei unabhängige Prüfverfahren. Die meisten Vorhänge und Dekorationsstoffe müssen beide Verfahren bestehen, um die Sicherheit in verschiedenen Brandschutzklassen zu gewährleisten.
Die Prüfung muss in einer kontrollierten Laborumgebung durchgeführt werden und Proben sowohl in Kett- (Maschinen-) als auch in Schussrichtung (Quer-) umfassen. Die spezifischen Prüfparameter sind wie folgt:
Ein Produkt muss alle folgenden quantitativen Kriterien gleichzeitig erfüllen, um als konform zu gelten. Das Überschreiten des Grenzwerts in einer einzigen Kategorie führt zum Nichtbestehen.
| Testart | Metrisch | Maximal zulässige Grenze |
|---|---|---|
| Kleinflammentest | Nachflammzeit (Einzelprobe) | 2,0 Sekunden |
| Kleinflammentest | Flammende Tropfen | Rückstände dürfen nicht länger als 2,0 Sekunden auf dem Boden brennen. |
| Kleinflammentest | Durchschnittliche beschädigte Länge (10 Exemplare) | 165 mm |
| Kleinflammentest | Maximale beschädigte Länge (Einzelexemplar) | 190 mm |
| Großflammentest | Nachflammzeit (Einzelprobe) | 2,0 Sekunden |
| Großflammentest | Flammende Tropfen | Rückstände dürfen nicht länger als 2,0 Sekunden auf dem Boden brennen. |
| Großflammentest | Beschädigte Länge – Flaches Exemplar | 250 mm |
| Großflammentest | Beschädigte Länge – Gefaltetes Exemplar | 635 mm |
Obwohl CAN/ULC-S109 und der US-amerikanische Standard NFPA 701 ähnliche Prüfprinzipien teilen, bestehen erhebliche Unterschiede in der Prüfkonfiguration und -strenge, sodass die Zertifikate im Allgemeinen nicht austauschbar sind.
| Vergleichsdimension | CAN/ULC-S109 (Kanada) | NFPA 701 (USA) |
|---|---|---|
| Testkombination | Üblicherweise werden sowohl Kleinflammen- als auch Großflammentests gleichzeitig vorgeschrieben. | Wählt je nach Stoffdichte/Verwendung entweder Methode 1 oder Methode 2 aus; benötigt selten beide. |
| Falttest | Obligatorische Prüfung gefalteter Proben im Großflammentest; hoher Schwierigkeitsgrad. | Methode 1 schließt Falttests aus; nur Methode 2 beinhaltet ein ähnliches Konzept. |
| Schadenskriterien | Extrem strenge Grenzwerte im Millimeterbereich für den Kleinflammentest. | Methode 1 basiert auf dem prozentualen Gewichtsverlust; Methode 2 basiert auf der Länge der verbrannten Knochen; relativ weniger streng. |
| Territoriale Gültigkeit | Verpflichtender Standard in ganz Kanada. | US-Standard; in Kanada nur nach Ermessen der jeweiligen lokalen Behörden anerkannt. |
Gemäß den kanadischen Provinzbrandschutzbestimmungen müssen Textilien in Einrichtungen, die als „öffentliche Versammlungsstätten“ klassifiziert sind, über ein CAN/ULC-S109-Zertifikat verfügen. Typische Anwendungsfälle sind:
Für die Prüfung nach CAN/ULC-S109 eingereichte Textilien müssen ihre Flammbeständigkeit nicht nur im Originalzustand, sondern auch nach Reinigung oder Bewitterung nachweisen. Die Norm schreibt spezifische Probenvorbereitungsprotokolle vor:
Bei der Implementierung des CAN/ULC-S109-Standards verwechseln Käufer und Lieferanten häufig Anwendungsbereich und Gültigkeit des Zertifikats. Folgende technische Missverständnisse bedürfen der Korrektur:
A: Die Norm selbst legt kein festes Ablaufdatum fest. Die zuständigen Behörden verlangen jedoch in der Regel Berichte, die innerhalb der letzten ein bis drei Jahre erstellt wurden, um sicherzustellen, dass die geprüfte Probe die aktuelle Produktionsqualität widerspiegelt. Bei Änderungen des Herstellungsverfahrens oder der Rohstoffe ist einetelerneute Prüfung zwingend erforderlich.
A: Ja. Druckfarben, Farbstoffe und Transferpapiere sind häufig brennbare Chemikalien. Ein Grundgewebe, das den Test bestanden hat, kann nach dem Bedrucken versagen. Daher schreibt die Norm vor, dass das Endprodukt (nach dem Bedrucken oder Färben) geprüft werden muss, um sicherzustellen, dass die hinzugefügten Chemikalien die Flammbeständigkeit nicht beeinträchtigt haben.
A: Nein. Für den Großflammentest werden Proben mit einer Länge von 750 mm benötigt, und für den Falttest sind breite Platten erforderlich, um die notwendigen Lagen zu bilden. Eine A4-Probe reicht für die vorgeschriebene Prüfkonfiguration nicht aus. Es wird ein Meterware in voller Breite benötigt.
A: Ist der Stoff flammhemmend behandelt (chemisch beschichtet), kann er unter Umständen mit einer höheren Konzentration an Flammschutzmittel nachbehandelt und erneut geprüft werden. Handelt es sich jedoch um eine unbehandelte Naturfaser (wie Baumwolle oder Leinen) ohne chemische Ausrüstung, wird sie die Prüfung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bestehen; ohne flammhemmende Behandlung ist eine Prüfung nicht möglich.
A: Im Allgemeinen schreibt die nationale Bauordnung die Anwendung von S109 für Einfamilienhäuser nicht vor. Sie ist jedoch für Wohngebäude mit hoher Dichte (wie Eigentumswohnungen oder Mietwohnungen) in Gemeinschaftsbereichen wie Eingangshallen und Fluren sowie für alle gewerblichen und öffentlichen Gebäude verpflichtend.